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Selbstbewusstsein aufbauen mit Pferden

Wenn Sie eine Tierdokumentation sehen und sie sehen den Löwen durch Bild marschieren – ganz ehrlich: sehen Sie, ob er Hunger hat oder satt ist? Uns Menschen fällt es oft schwer, dies zu erkennen. Natürlich ist ein Fernsehbild keine echte Situation. Was ich damit sagen möchte: Die Zebras im Film wissen ganz genau, wann sie flüchten müssen. Sie vergeuden keine Zeit und Kraft vor einem satten Löwen davon zu laufen.

Das Beute- und Fluchttier Pferd liest genau so in uns wie die Zebras im Löwen. Ein Beutetier darf sich keinen Fehler erlauben, der könnte sein Leben kosten. Deshalb sind Beutetiere sehr aufmerksam und hoch sensibel. Sie lesen in uns, wie in einem Buch.

Sie erkennen, ob das Gegenüber ängstlich oder mutig ist. Das Schöne ist, sie urteilen nicht. Egal ob sie ängstlich oder wütend sind, das Pferd erkennt es und nimmt es an. Womit Pferde hingegen nicht umgehen können, ist mit Inkongruenz.

Was hat also Selbstbewusstsein mit Pferden zu tun?

Die Antwort ist einfach: Pferde sind sich selbst bewusst. Sie wissen, wer sie sind und was sie tun und leben danach. Selbstbewusstsein bedeutet genau das für mich: Ich bin mir darüber im Klaren, wer ich bin und was ich tue. Und genau hier treffen sich Mensch und Pferd.

Wenn Menschen, die von sich selber sagen, sie hätten wenig Selbstbewußtsein, auf Pferde treffen und zwar in einem geschützten Rahmen zum Beispiel eines Coachings, können sie gefahrlos in ihr Spiegelbild sehen. Wie genau dies aussieht, weiß man vorher nie.

Manchmal verhalten sich die Pferde genau so, wie der Mensch, der ihnen gegenüber steht. Manchmal verhalten sie sich aber genau umgekehrt. Sie zeigen uns unsere Auswirkungen. Dabei sind sie immer ehrlich. Mein eigener Weg zu meinem eigenen Selbst-Bewußtsein zwang mich, mich mit meinen Ängsten auseinander zu setzen. Aus diesem Grund versuche ich meine Arbeit mit folgender Geschichte besser zu erklären.

Selbstbewusstsein aufbauen – ein Beispiel

Eine Reitschülerin, ich gebe ihr den Namen Melinda, ist ca 40 Jahre alt und hat große Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu erkennen. Sie lebt nach dem Motto „man soll“ „man muss“ und ignoriert dabei ständig, wie es ihr dabei geht. Entscheidungen trifft sie so gut wie nie, lässt das andere für sie tun. Sie ist chronisch krank. Reiten im Gelände ist ein großer Angstfaktor für sie. Das Problem besteht nur darin, daß sie selbst es nicht merkt, wohl aber die Pferde, die sie reitet.

Letzte Woche also ritt sie meine Stute Pommel im Gelände, ich ging zu Fuß mit. Erst führte ich sie, damit sie sich einfühlen konnte, dann ritt sie frei, dann musste ich wieder führen usw. Das war alles kein Problem und so langsam merkte ich, wie sie selbst sich immer wieder korrigierte (Körperhaltung), was ich erfreut zu Kenntnis nahm und es ihr auch sagte.

Wir kamen an eine Wegkreuzung, an der sie sich entscheiden sollte: Der Weg nach links lud wunderbar zum Traben ein, doch da ich nicht so lange in diesem Tempo mitlaufen kann, hätte sie alleine, ohne mich als Sicherheit, traben müssen. Der Weg gerade aus kann nur im Schritt geritten werden.

Der Scheidepunkt

Ich nahm Pommel an den Strick und wir blieben stehen. Hier war ein Scheidepunkt. Erstens eine echte Kreuzung, wo wir uns für den weiteren Weg entscheiden mussten und genauso auch in Sachen Selbstwahrnehmung. Ich fragte sie, ob sie, so, wie es ihr jetzt geht, lieber traben oder schritt gehen möchte.

Sie sagte: „Ich weiß es nicht. Ich würde schon gern traben.“ Pommel war hypernervös und Melinda klammerte sich auf dem Pferd fest, obwohl ich es hielt. Wieder fragte ich, wie es ihr jetzt gehen würde, wenn Pommel genau jetzt antraben würde. Antwort: „Hm, keine Ahnung, vielleicht gut?“ Ich sagte ihr, sie müsse sich jetzt für einen Weg entscheiden.

Sie antwortete, das könne sie nicht. „Gut“ sagte ich, „dann warten wir hier so lange, bis du dich entscheidest.“ Wir warteten ein paar Minuten, meine Schülerin fühlte sich verständlicherweise sichtlich unwohl, Pommel konnte dem Druck kaum standhalten. Sie orientierte sich aber an mir, das holte sie runter. Ich selber war ja entspannt, musste nichts entscheiden, nur warten.

Dann die Erlösung: „Ich möchte den Schritt-Weg gehen!“ Ab dieser Sekunde stand das Pommelchen ruhig neben mir. Es kaute und schnaubte, beides Zeichen für Entspannung. Ich beglückwünschte sie zu ihrer Entscheidung und wir liefen los. Melinda war erstaunt darüber, wie stark das Pferd die Angst gespiegelt hatte. Außerdem war sie erstaunt darüber, dass die Angst ihr ständiger Begleiter ist, so dass sie nicht einmal mehr spürt, wenn dieser Begleiter immer mächtiger wird.

Pferde können helfen Selbstbewusstsein aufzubauen

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie Pferde uns helfen können, Selbstbewusstsein aufzubauen. Es geht mitnichten darum, sich irgendwie durchzusetzen und seine Angst zu bezwingen. Erst einmal geht es darum, überhaupt zu erkennen, dass Angst mit im Spiel ist. Dann bin ich meiner selbst bewußt.

Und wenn ich meiner selbst bewusst bin, kann ich diese Ängste schritt-weise abbauen. Auch wenn Sie nicht reiten möchten, können sie Pferdegestütztes Personal Coaching für sich nutzen. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, mit Pferden zu kommunizieren, ohne gleich auf einem sitzen zu müssen. Man kann mit den Pferden frei arbeiten, man kann sie führen oder sich führen lassen, manchmal möchten Menschen einfach nur da stehen und sie (sich) fühlen.

Wenn Sie neugierig geworden sind oder sich einfach noch weiter informieren wollen, rufen Sie mich doch an oder schauen sie auf meine beiden Facebook-Seiten.

Claudia Eckert – Pferdegestütztes Personal Coaching
Pferdetraining Vogelsberg

Telefon: 0151 1279 1574


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