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Das Selbstbild gestalten

In der Psychologie ist der Begriff Selbstbild ein Konstrukt, welches häufig in der Sozialpsychologie in wissenschaftlichen Artikeln anzutreffen ist und in Studien beforscht wird. Das menschliche Selbstbild wird auch in der persönlichkeitspsychologischen Forschung schon mal aufgegriffen um die Selbsteinschätzung von Personen zu beschreiben.Verwandte Konstrukte sind Identität, Selbstschemata und das Selbstkonzept.

Was versteht man unter dem Begriff Selbstbild?

Ein Konstrukt ist ein Bündel von Eigenschaften und Beschreibungen, die unter einem Begriff subsummiert werden und das man nicht direkt beobachten kann. Entsprechende Verhaltensindikatoren gehören also immer zu einem Konstrukt dazu. Dieser Vorgang der Zuordnung von Begriffen zu Beschreibungen ist auch bekannt als Operationalisierung. Das Selbstbild kann und wird unterschiedlich operationalisiert. Meist versteht man unter dem Selbstkonzept jedoch die Wahrnehmungen, die Personen auf sich selbst richten. Auch gehören Einstellungen und Überzeugungen dazu.

Das Selbstbild in der wissenschaftlichen Forschung

Die psychologisch-wissenschaftliche Forschung hat über das menschliche Selbstbild schon einiges an Literatur hervorgebracht. So haben zum Beispiel Swann & Ely im Jahre 1984 bestätigen können, dass je stärker das Selbstbild in einem bestimmten Bereich ist, eine Person umso weniger ihr Verhalten von den konträren Erwartungen Anderer beeinflussen lässt.

Markus, Smith und Moreland haben 1985 gezeigt, dass Männer, die sich selbst als besonders maskulin wahrnehmen, die Maskulinität häufiger als Erklärung für das Verhalten anderer Männer heranziehen, als Männer die keinen großen Wert darauf legen, sich selbst als maskulin zu beschreiben. Dies sind nur zwei Beispiele dafür, dass die Wahrnehmungen von der eigenen Person auch die Eindrucksbildung von anderen Personen beeinflusst und außerdem noch das eigene Verhalten stark determinieren können.

Die Forschung hat außerdem die alltagspsychologischen Annahmen bestätigen können, dass auf sich selbst bezogene Wahrnehmungen von Personen situationsspezifisch und kontextabhängig sind. Trotzdem haben Personen das Gefühl, das Selbst sei über die Zeit hinweg stabil und über unterschiedliche Situationen hinweg konsistent. Verschiedene psychologische Konzepte erklären diesen Eindruck damit, dass Menschen besonders jenes Selbstbild wahrnehmen, welches sie gerade dabei sind zu prozessieren: andere Selbstbilder, die gerade nicht in Arbeit sind, werden weniger stark erlebt.

Auch erinnern sich Menschen selektiv ganz automatisch nur an jene Erlebnisse, die mit dem gegenwärtig arbeitenden Selbstkonzept konsistent übereinstimmen. Die Tendenz, eigenes Verhalten auf Situationen statt auf Persönlichkeitseigenschaften zurückzuführen, ist ebenfalls besonders ausgeprägt und trägt entsprechend dazu bei, dass Personen ihr Selbstkonzept als zeitstabil wahrnehmen, obwohl es stark von der jeweiligen Situation abhängig ist.

Wie entsteht das Selbstbild des Menschen?

In der Selbstkonzeptforschung wurde bislang mehrfach bestätigt, dass Ursprünge für das Selbstbild in sozialen Beziehungen zu finden sind. Auch berühmte entwicklungspsychologische Arbeiten konnten zeigen, dass das Selbstbild wesentlich von den Erfahrungen mitbestimmt wird, die man mit anderen Menschen macht.

Die Art und Weise, wie man von anderen Personen behandelt wird, beeinflusst stark wie man sich selbst sieht. So ist hier die Bindungstheorie von John Bowlby aus den 1950er Jahren beispielhaft zu nennen, die eindrücklich mit Hilfe von auf ihr aufbauenden Experimenten aus den 10970ern zeigen konnte, dass das Selbstbild sozialen Ursprung hat: Die Person fühlt sich wertgeschätzt und kompetent, wenn sie von für sie relevanten Personen so behandelt wird.

Wie hängen Selbstbild und Selbstbewusstsein zusammen?

Eng verwandt mit dem Selbstbild ist der Selbstwert einer Person. Im alltagspsychologischen Sinn wird hohe Selbstwertschätzung auch Selbstvertrauen oder Selbstbewusstsein genannt. Ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist mit Erfolg im Leben, Wohlbefinden und Gesundheit assoziiert. Ein geringer Selbstwert dagegen drückt sich in häufiger Kritik aus, die gegen das Selbst gerichtet ist.

Zu hohe Selbstwertschätzung wiederum kann dagegen in Selbstgefälligkeit münden, die manchmal auch krankhaft in der Form narzisstischer Persönlichkeitsstörung auftreten und diagnostiziert werden kann. Der Zusammenhang von Selbstbild und Selbstbewusstsein ist daher ein kurvilinearer: zu hohe und zu niedrige Selbstwertschätzung bedeuten ein geschädigtes oder zerbrechliches Selbstbild. Ein mittleres Selbstbewusstsein ist ein Indikator für eine Selbstwahrnehmung, die mit Wohlbefinden einhergeht.


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